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16.02.2026

Spannungen gekonnt lösen

Spannungen gekonnt lösen

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Die Grundlagen der Myoreflextherapie – Teil 1

Die Myoreflextherapie wurde ab Mitte der 1980er Jahre von Dr.med. Kurt Mosetter ent - wickelt. Den Anstoß zur Entwicklung gab die schwere MSErkrankung von Mosetters Vater. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmöglichkeiten jenseits der rein symptomatischen Medizin motivierte ihn zum Medizinstudium und zur Erforschung neuromuskulärer Zusammenhänge.

Mosetter integrierte Erkenntnisse der funktionellen Anatomie, Biokinematik und Neurophysiologie. Ein zentraler Punkt ist das Verständnis von myofaszialen Kraftvektoren und Muskelketten, bei denen die „Meridiane“ der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als sog. „Muskelmeridiane“ verstanden werden. Mosetter bezog Erkenntnisse der klinischen Psychotraumatologie (nach Gottfried Fischer) ein, um zu ver - stehen, wie ungelöster Stress und traumatische Erlebnisse als Spannungsmuster im Körpergedächtnis gespeichert werden und bleiben.

1. Neurophysiologie und Reflexmechanismen

Die Therapie nutzt gezielte Druckpunktstimulation an Muskel-SehnenÜbergängen, um dem ZNS simulierte Bewegungen zu übermitteln. So wird das Nervensystem angeregt, chronische Fehlspannungen zu lösen und die Muskulatur neu zu regulieren; festgefahrene Dysbalancen und gestörte Bewegungsprogramme zu überschreiben und neu zu organisieren.

2. Funktionelle Anatomie und Biomechanik

Muskeln und Faszien werden nicht isoliert, sondern in Muskelketten betrachtet. Sie werden als geometrische Zugbahnen bzw. Kraftvektoren interpretiert, entlang derer sich Spannungen durch den Körper fortpflanzen.

Die Myoreflextherapie bearbeitet Muskelketten und nutzt diese als Hebel für das gesamte Regulationssystem; während Knochen, Gelenke, Organe und Schädelstrukturen in Abhängigkeit von dieser neuromuskulären Veränderung bestimmt werden. Myoreflex® ist also primär funktional, neuromuskulär-kettenorientiert und trainingsnah; strukturelle und organbezogene Veränderungen bauen darauf auf. Neuromuskuläre Regulation und Reorganisation von Muskelketten sind die Voraussetzung für Schmerzreduktion, für Leistungsfähigkeit, Stabilität, Kraft. Fehlprogrammierte Muskelspannung und gestörte Muskel-Nerven-Regelkreise sind die Ursache für Schmerzen, für Bewegungsund Spannungsstörungen in Gelenken, Faszien und Organen.

3. Psychotraumatologie und das „muskuläre Gedächtnis“

Stress- und Trauma-Belastungen manifestieren sich als dauerhafte Anspannung. Sie werden im Körper als muskuläre Reaktionsmuster gespeichert. Verspannte Muskeln werden als Ausdruck veränderter Steuerprogramme im zentralen Nervensystem verstanden, die durch Fehlbelastung, aber auch durch psychischen Stress, Angst oder lang - anhaltende Anspannung geprägt werden. Wenn der Körper aus dem Dauer - anspannungsmodus herausfindet, wirkt sich das spürbar positiv auf Stimmung, Schlaf und Stress Resilienz aus.

4. Biochemie und Stoffwechsel

Zur langfristigen Regulation der Muskelspannung wird eine Ernährung empfohlen (Glycoplan®), die Insulinspitzen vermeidet, Entzündungen im Gewebe reduziert, einen funktionierenden Muskel-Stoffwechsel garantiert und für Neuroprotektion sorgt.

5. Die Therapie als „Spürhilfe“

Sie liefert dem Gehirn neue sensorische Daten, damit dieses die Selbstregulation des Körpers wieder aufnehmen kann. Angeboten und ergänzt wird dies durch die KiD®- Übungen (Kraft in der Dehnung), bei denen Patienten und Fitness-Kunden aktiv Muskelketten unter Kraftaufwand dehnen, um die neurologische Umprogrammierung dauerhaft zu festigen.

Die konkrete Anwendung

Der Therapeut führt eine gezielte Druckpunktstimulation auf MuskelSehnen-Übergänge aus. Dabei wird nicht nur der Schmerzpunkt selbst behandelt, sondern die gesamte funktionelle Muskelkette. Oft liegt die Ursache für Schmerzen (z.B. im Rücken) in einer zu hohen Spannung der Gegenspieler-Muskulatur (z.B. der Bauchmuskeln). Die Behandlung folgt dabei einem Ablauf, der zum einen auf neurophysiologischen Prinzipien beruht, zum anderen den individuellen Belastungsmustern des Patienten nachgeht – wie Unfall, vieles Sitzen, Sportart, neurologischen Störungen, u.a.

Besonders häufig wird an der oberen Halswirbelsäule, den Kaumuskeln und der Beckenmuskulatur gearbeitet, da diese Regionen eine zentrale Rolle für die Statik spielen. Eine myoreflex-spezifische Schlüsselstation ist das „innere GPS“, also die Feinabstimmung von HWS/Nacken, Sehen, Gleichgewicht und räumlicher Navigation, die äußere Orientierung und ein stabiles Selbstgefühl (innere Orientierung) gewährleistet oder neu ausrichtet. Myoreflextherapie gibt Impulse zur Selbstregulation, anstatt primär Strukturen zu korrigieren (Regulation statt Manipulation). Zudem werden die Patienten selbst aktiv; sie führen begleitend Kraft-in-Dehnung-Übungen (KiD®) durch, um die neuen Bewegungsmuster dauerhaft zu verankern. KiD® wird auch in einigen hochwertigen Fitness-Studios angeboten.


Autor

Dr. med. Kurt Mosetter studierte Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und spezialisierte sich auf die Physik des neuromuskulären Systems bei Schmerzen des Bewegungsapparates. Er ist der Begründer der Myoreflextherapie und der Neuromyologie; mit einem eigenen AusbildungsCurriculum.

Er ist Leiter des ZiT (Zentrum für interdisziplinäre Therapien) in Gutach und Konstanz und konsiliarisch bei der Paramed (Baar, CH) tätig.

www.mosetter.de


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